Wie steht es um die ASEAN Economic Community? – Fortschritte und Hürden auf dem Weg zum Binnenmarkt
Dem Beispiel der Europäischen Union folgend, soll innerhalb der AEC ein zollfreier Binnenmarkt entstehen welcher der Region zu erhöhter Wettbewerbsfähigkeit verhilft, wirtschaftliche Entwicklung fördert und ASEAN als festen Bestandteil in die globale Wirtschaft integriert.
Viele Fortschritte wurden bereits erreicht, die vollständige Realisierung des Binnenmarktes bis Ende 2015 bleibt jedoch ein ambitioniertes Ziel.
Während ASEAN noch weit von Europas Grenzfreiheit unter dem Schengen-Abkommen entfernt ist, ist die Zollreduktion zwischen den Binnenländern weitestgehend erfolgreich verlaufen. Mit Implementierung der ASEAN Freihandelszone fielen die Zölle zwischen den ASEAN-6 (Brunei, Indonesien, Malaysia, Philippines, Singapur, Thailand) auf gleich null. ASEAN weit findet heutzutage mehr als 70 Prozent des interregionalen Handels zollfrei statt, nur auf rund 5 Prozent der gehandelten Güter fallen mehr als 10 Prozent Einfuhrabgaben an.
Die Implementierung des Single Window Zoll Systems in den ASEAN-6 zur Standardisierung des Zollverfahrens ist ein weiterer bedeutender Schritt in Richtung Integration und zur Senkung interregionaler Handelskosten. Die verbleibenden Länder Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam hinken in ihren Reformanstrengungen noch hinterher, doch Verbesserungen sind deutlich. Vietnam kooperiert beispielsweiße derzeit mit Malaysia um die Zollverfahren der beiden Länder anzugleichen.
Dennoch, in vielen Bereichen müssen noch Hürden überwunden werden. Während tarifäre Hindernisse abgebaut werden, bauen viele Länder aus Angst vor Konkurrenz aus den Nachbarländern nicht-tarifäre Hindernisse auf. So erlies ASEANs größtes Mitgliedsland Indonesien erst kürzlich eine neue Reihe protektionistischer Maßnahmen. Darunter das Halal Gesetz, welches die strenge Trennung des Transports von Halal und Nicht-Halal Gütern vorschreibt und soweit geht, dass Container in denen Alkohol verschifft wurde nicht mehr dem Transport von Halal-Gütern dienen können. Das undurchsichtige Gesetz ist ein Freischein für Korruption. Auch die Serviceindustrie bleibt in den meisten Ländern stark reguliert.
Betrachtet man die Diversität der ASEAN-Länder ist die Zurückhaltung vieler Partien jedoch zu erwarten. Das pro Kopfeinkommen rangiert von 1.270 USD in Myanmar zu 56.000 USD in Singapur, mit neun Millionen hat Bangkok mehr Einwohner als ganz Laos, Indonesiens 859 Milliarden BIP entspricht über 75 mal dem von Laos. Realistischer ist daher eine graduelle Öffnung der Märkte, einhergehend mit abnehmenden Ungleichheiten zwischen den Mitgliedern. Hierzu wird die Kooperation der Staaten zum Aufbau moderner Infrastruktur in allen Regionen besonders bedeutend sein. Die benötigten Infrastrukturinvestitionen belaufen sich auf 60 Milliarden USD jährlich für die nächsten sieben Jahre und können nur gemeinsam gestemmt werden.
Angesichts der noch bevorstehenden Herausforderungen ist das offizielle Inkrafttreten der AEC Ende 2015 daher weniger eine Deadline als der erste Meilenstein auf dem langen Weg zur Umsetzung der AEC.
BDG Insight: Unternehmen sehen der AEC mit vorsichtiger Erwartung entgegen. Noch sorgen nicht-tarifäre Handelshemmnisse dafür, dass viele internationale Firmen wie Lazada ihr Beschaffungsnetzwerk größtenteils lokal aufbauen. Mit voranschreitender Integration der AEC werden jedoch besonders die Unternehmen erfolgreich sein, denen es gelingt regionale Lösungen mit lokalem Marktwissen zu kombinieren. Während die Adaption von Produktlinien an lokale Bedürfnisse auch unter AEC ein Erfolgsfaktor bleiben wird, können Kosten durch den Zusammenschluss lokaler Funktionslinien auf regionaler Ebene gesenkt werden. Besonders Verwaltung, IT und Beschaffung lassen sich zunehmend zentral organisieren.

Kommentar schreiben